Kulturtempel mit Kultstatus an Belgiens Küste

Casino Knokke
 

  
  


Das Wort ‚Casino’ verbindet man gewöhnlich nicht mit einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, sondern viel mehr mit den Verlockungen von Roulette, Black Jack oder Poker.

Dabei ist ein Besuch im Casino des belgischen Badeortes Knokke an der Nordwestküste Flanderns, gleich hinter der niederländischen Grenze, viel mehr als nur dem schnöden Mammon geschuldet. Wer diesen Kulturtempel mit Kultstatus persönlich in Augenschein nehmen möchte, muss sich zum ‚Seedeich Albertstrand’, Hausnummer 509 aufmachen.

Casino Knokke


Die Vision eines Mannes: Die Ära Joseh Nellens Die Geschichte des Knokke Casinos ist eng mit dem Familiennamen ‚Nellens’ verbunden. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt der ‚Grandseigneur’ dieser Familiendynastie, Joseph Nellens (1880-1934) ein außergewöhnliches Interesse an den Dünen zwischen den Badeorten Knokke und Duinbergen. Der Senator und Immobilienunternehmer aus Antwerpen erkennt schon früh, dass sich hier ein Immobilienprojekt großen Maßstabs umsetzen lässt.

Die Entstehung des ‚Albertstrandes’ 1922 kauft Joseph Nellens an diesem noch weitgehend unberührten Küstenstrich ein Dünengelände mit einer Fläche von 160 Hektar. Nachdem der alte Seedeich durch einen Sturm schwer beschädigt wird und abgebrochen werden muss, beschließt er in Absprache mit den Autoritäten seiner Zeit, den Deich 100 Meter landeinwärts neu errichten zu lassen. Dadurch gibt er zwar Baugrund preis, aber er gewinnt gleichzeitig mehr Raum, um den prächtigen ‚Albertstrand’, benannt nach König Albert I. von Belgien, anzulegen, den er später dem belgischen Staat schenkt. Auf seinem Teil der Dünen lässt Nellens ein neuartiges städtebauliches Konzept realisieren, das ganz im Zeichen von Ferienaktivitäten steht: Das Projekt 'Knokke-Duinbergen Extension' entsteht.

Casino Knokke Aus der ‚Lispanne’ wird das ‚Zegemeer’ 1924 wird eine große Dünendelle, die ‚Lispanne’, mit einem nicht versiegenden Grundwasserreservoir ausgegraben, das ab 1925 das ‚Zegemeer’ (Siegesmeer) bildet, so genannt zur Erinnerung an den Sieg der Alliierten im 1.Weltkrieg. Dieser See ist ein erster Anziehungspunkt am aufblühenden Albertstrand. Rund um den See legt man einen Fußweg an, der zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt.
Um den Erwartungen seiner Immobilieninvestoren und Anteilseigner gerecht zu werden, treibt Joseph Nellens seine Pläne zum Bau eines Casinos am Seedeich voran und schreibt dafür einen Architekturwettbewerb aus, den der junge, noch völlig unbekannte Antwerpener Architekt Léon Stynen (1899-1990) 1925 gewinnt.

‚Pavillon du Lac’ – Vorläufer des Casinos 1926-27 wird auf Nellens Kosten am nördlichen Ufer des Sees der ‚Pavillon du Lac’ mit dem ersten Spielsalon errichtet, dem Vorläufer des späteren Casinos. Neben diesem Pavillon, der von der Größe her noch recht bescheiden ist, gibt es auch schon ein Hotel, ein Restaurant und ein Tanzlokal.

Die Bauphase 1928 hat Stynen seine Bauentwürfe fertig. Im Oktober 1929 folgt der erste Spatenstich durch den Generalunternehmer Frans Desmidt (1882-1944), der zeitgleich das Amt des Bürgermeisters von Knokke bekleidet. Eine Mannschaft von 120 Bauarbeitern soll dafür sorgen, dass das Casino zu Beginn der Sommersaison in Betrieb gehen kann. Doch durch den enormen Zeitdruck werden provisorische Stützpfeiler zu früh entfernt, so dass ein Teil des Daches des Gebäudes einstürzt. Dennoch wird der Bau in Rekordtempo fertig gestellt. Die Grundfläche des Casinos nimmt großzügige 6000 Quadratmeter ein.

Die Eröffnung Am 5. Juli 1930 ist es soweit: Der 'Casino-Kursaal am Knokke-Albertstrand' wird im Rahmen eines großen Gala-Konzerts mit mehr als 60 Musikern unter der Leitung des flämischen Komponisten Karel Candael offiziell eröffnet. Der Rat der Stadt zeigt sich großzügig und räumt dem Casinobetreiber Joseph Nellens und dessen Anteilseignern eine Betriebskonzession für die Dauer von 30 Jahren ein.
Als Liebhaber klassischer Musik, der in seiner freien Zeit gerne Geige spielt, genießt es Nellens nicht nur von Zeit zu Zeit mit den Musikern des Orchesters zusammen zu spielen, sondern er sorgt auch dafür, dass sich während der Sommermonate, in denen das Casino geöffnet ist, Weltstars von Format fortan die Türklinke in die Hand geben.
Das Knokke Casino wird in dieser Zeit zu einem weltoffenen Platz, an dem man Französisch ‚parliert’ und wo jeder Gast zum Tragen einer 'großen' Abendgarderobe verpflichtet ist. Wer dies nicht tut, erhält keinen Zutritt. Dies widerfährt Jahrzehnte später selbst dem niederländischen Thronfolger Prinz Willem Alexander. Diesbezüglich kennt man im Casino kein Pardon.
Die vornehme Gesellschaft genießt indes die Auftritte der in den 1930er Jahren populären Schauspieler und Sänger wie Richard Tauber, Maurice Chevalier oder Tino Rossi, um nur einige zu nennen. Leider hat Joseph Nellens selbst nur wenig Zeit, sich seines prächtigen Casinos zu erfreuen: Der Gründer von 'Albertstrand' und 'Casino' stirbt 1934 im Alter von 54 Jahren.

Vom Vater auf den Sohn: Die Ära von Gustave Nellens Nach dem frühen Tod des Vaters übernimmt Sohn Gustave (1907-1971), damals 27 Jahre alt, die Leitung des Casinos. Durch seine dynamische Geschäftsführung werden bereits 1936 mehr als 6 Mio. belgische Francs umgesetzt. Noch ziemlich weit unten auf einem Programmplakat erscheint auch erstmals der Name einer bis dahin noch völlig unbekannten Chansonnette: Edith Piaf.

Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau 1943 wird das Casino als Geschützbunker ‚getarnt’ und mit einer hölzernen Kanone, die nach Seeseite ausgerichtet ist, bestückt. Als Teil der deutschen Verteidigungsanlagen entlang der Atlantikküste, des sogenannten 'Atlantikwalls', leidet das Gebäude 1944 schwer unter feindlichem Beschuss.
Notdürftig geflickt beginnt für das Casino Knokke nach Kriegsende eine neue Ära: Mit dem ‚Sommerfestival’ wird das Programm 1947 wiedereröffnet. 1949 folgt das ‘Festival Mondial du Monde’. Der Glanz dieser Nachkriegsperiode soll dreißig Jahre dauern. Dreißig Jahre, in denen der Albertstrand und das Casino in einem Atemzug mit dem Namen Gustave Nellens verbunden sind. Ein Stelldichein der Stars In dieser Zeit entwickelt sich das Casino zu einem Kulturtempel, zu einem Ort von Weltruhm, der Knokke eine bis dahin ungekannte Ausstrahlung verleiht. Gustave Nellens organisiert große Sommerausstellungen mit weltweit bekannten Kunstschaffenden.
Er selbst ist ein großer Kunstsammler zeitgenössischer Werke und Förderer avantgardistischer Künstler. Zwischen 1950 und 1980 gibt es Einzelausstellungen von Malern wie Picasso, Matisse, Ernst, Dufy, Dali, Chagall, Magritte und Zadkine. Es sind aber auch schon Künstler dabei, die erst viel später zu Ruhm gelangen wie Beuys, Panamarenko, Warhol, Rauschenberg. Auch für flämische Künstler wie De Smet, Van Den Berghe, Permeke und Raveel wird das Casino zum Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere.

Das Hotel und Revuetheater „La Réserve“ entsteht Wegen des kriegsbedingten, baufälligen Zustands fällt der 'Pavillon du Lac' der Abrissbirne zum Opfer. An dessen Stelle tritt das Hotel 'La Réserve', das im Juni 1949 mit dem Auftreten aller großen Artisten dieser Zeit eröffnet wird. Das Publikumsinteresse ist enorm.

Einzigartige Kunstwerke 1953 beauftragt Gustave Nellens den Maler René Magritte, ein 72 m langes und 4 m hohes Fresco (‚Het betoverde Rijk’) auf das runde Gemäuer des später weltberühmten, denkmalgeschützten Magritte-Saales zu zaubern.
In diesem ‚kleinen’ Spielsaal hing seit 1952 auch der damals größte Kronleuchter der Welt: Aus 22.000 Einzelteilen zusammengesetzt, hergestellt aus venezianischem Kristallglas im italienischen Murano. Der Koloss wiegt sieben Tonnen, hat einen Durchmesser von achteinhalb Metern, ist sechseinhalb Meter hoch und lässt mit seinen zweitausend Lampen jeden Saal in himmlischem Glanz erstrahlen. Zwar ist der Leuchter inzwischen nicht mehr der größte der Welt, aber er sorgt, seit er in der großen Halle des Casinos hängt, bei Empfängen und Galas noch immer für eine großartige Atmosphäre.

Casino Knokke Das Casino blüht auf 1955 ist es an der Zeit, das Gebäude 'aufzuhübschen'. Giebel und Fenster werden restauriert, wobei man sich deutlich vom inzwischen legendär gewordenen Stil eines Léon „Stijnen“ entfernt. Innen werden der „New Orleans Night Club“, die Diskothek „Number One“ und der „Flämische Saal“ eingerichtet.
Gustave Nellens weitet das traditionelle viermonatige Sommerangebot zu einem vielfältigen, zeitgemäßen Ganzjahresprogramm aus. Neben klassischen Konzerten gibt es Varieté-, Chanson-, Ballett- und Theateraufführungen, große Modenschauen, Filmfestivals und vieles mehr. Die größten Stars von Film, Funk, Theater und Showbiz geben sich im Casino Knokke ein Stelldichein.
Die lange Liste mit den Namen der prominenten Künstler, die im Laufe der Zeit das Casino mit ihren Auftritten beehrt haben, wird aus Anlass des fünfzigjährigen Jubiläums 1980 in einem Sondermagazin publiziert: Um niemanden zu brüskieren in alphabetischer Reihenfolge.
Vom Großvater auf die Enkel: Die Ära von Jacques und Roger Nellens Mitte der 1950er Jahre wirft Gustave Nellens seinen ältesten Sohn Jacques (1935-2010) ins kalte Wasser des Casino-Managements und beruft ihn zum 'künstlerischen Leiter'. Mit 19 Jahren trifft und verhandelt Jacques mit den Showgrößen seiner Zeit: Ray Ventura, Josephine Baker, Frank Sinatra, Marlene Dietrich, Maurice Chevalier, Edith Piaf, Arthur Rubinstein, Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Georges Brassens und Jacques Brel. Auch holt er den jungen 'Adamo' ins Casino. Charles Aznavour, der nach einem Probeauftritt kurz nach dem Kriege trotz der Fürsprache von Edith Piaf bei Gustave Nellens noch als ‚zu schlecht’ durchgefallen war, kassiert bei Jacques einige Jahre später für einen einzigen Auftritt den Rekordbetrag von 1 Mio. belgische Francs.
All diese Stars ziehen das Publikum magnetisch an und bringen Knokke Weltgeltung. Jacques, ein notorischer Liebhaber von Jazz und Blues, lädt darüber hinaus die bekanntesten farbigen Interpreten aus Amerika nach Knokke ein. Unter ihnen Lionel Hampton, Ella Fitzgerald, Nat King Cole. Und sie alle kommen gern nach Knokke. Die zweite Modernisierungsphase Im April 1970 wird zwischen der Gemeinde Knokke und den Anteilseignern des Casinos eine Verlängerung der Konzession bis zum 31. Dezember 1990 ausgehandelt. Noch unter der Regie des Vaters wird eine zweite Modernisierung des Casinos in Angriff genommen, mit der das Gebäude auch für Kongresse genutzt werden soll. Die Vollendung dieser Pläne erlebt Gustave Nellens nicht mehr: Er stirbt 1971 im Alter von 64 Jahren.Jacques wird sein Nachfolger und bringt die Umbauarbeiten des Casinos 1972 zu einem erfolgreichen Abschluss. Die Wiedereröffnung wird mit einem Gala-Auftritt von Mireille Mathieu gefeiert. Dies ist gleichzeitig der Beginn eines neuen ruhmreichen Zeitabschnitts. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Fernsehanstalten BRT in Belgien und der BBC in London erstrahlt auch das Casino Knokke in neuem Glanz. Die Sendungen aus dem Casino werden nahezu legendär. Dieser Aufschwung ist vor allem dem neuen künstlerischen Leiter Staf Knop zu verdanken, der es in der Zeit von 1972 – 1986 versteht, Weltstars wie Audrey Hepburn, den jungen Johnny Halliday oder den noch fast unbekannten Elton John in den Badeort zu locken.

Alte Zöpfe werden abgeschnitten Mit Jacques und Roger Nellens weht auch innerhalb der Geschäftsführung ein neuer Wind. Das Casino schlägt hinsichtlich alter Konventionen eine Trendwende ein und schneidet alte Zöpfe ab. Statt Französisch wird immer häufiger Niederländisch gesprochen. Der Geist von ‚anno tobak’, der sich in der vormals verpflichtenden aristokratischen Abendgarderobe mit Smoking und Abendkleid manifestiert hatte, … alles ‚perdu’. Nunmehr reichen Cocktailkleid bzw. Anzug und Krawatte, Identitätsbeweis und eine gut gefüllte Geldbörse aus, um eingelassen zu werden.
 
Casino Knokke Der Künstler Roger Nellens Mit Beginn der 1980er Jahre folgt Roger Nellens, selbst Kunstmaler und jüngster Sohn von Gustave dem Vorbild seines Vaters und beginnt große Sommerausstellungen im Casino zu organisieren. Durch seine Freunde und aufgrund persönlicher Kontakte in der Welt der bildenden Kunst ist es für ihn nicht so schwierig, um herausragende Künstler wie Niki de Saint Phalle (1985), Jean Tinguely (1986), Keith Haring (1987), Fernando Botero (1988) und andere nach Knokke zu holen.
 
Die dritte Modernisierungsphase 1987 folgt die dritte Modernisierungsphase. Das Casino wird für eine Summe von 80 Mio. belgische Francs und durch die tatkräftige Förderung des Bürgermeisters, Graf Leopold Lippens nochmals neu hergerichtet. Das Casino soll schließlich für das 21. Jahrhundert bereitstehen. Seit 1983 ziert bereits ein großflächiges Gemälde von Paul Delvaux die Ostseite des oberen Spielsalons. 1987 kommt eine dritte Wandmalerei hinzu, nämlich ‚Das Glücksspiel’ des amerikanischen Malers Keith Haring.

Das Ende einer Familiensaga Seit 1995 gehört das Casino Knokke zur börsennotierten Partouche-Gruppe, dem Marktführer auf dem Spielhallensektor in Frankreich. Im Jahr 2000 ziehen sich Jacques und Roger Nellens endgültig aus der Geschäftsführung des Casinos zurück. Damit ist zwar die Ära der Familie Nellens beendet, nicht aber die Ära des Casinos Knokke.

Das neue Casino Knokke – ein weithin sichtbares Emblem Mit der Gemeinde Knokke-Heist verändert auch das Casino sein Äußeres. In Anlehnung an einen Ausschnitt aus dem Wandfresco von Magritte wird auf das alte Gebäude ein neues in Form eines riesigen, weithin sichtbaren Segels aufgesetzt. Die ‚Skyline’ von Knokke erhält dadurch ein völlig neues Gesicht. Den Entwurf dazu lieferte der amerikanische Stararchitekt Steven Holl. Die Bauarbeiten sollen im Sommer 2013 beginnen und 2015 abgeschlossen sein. Man darf auf das neue Wahrzeichen Knokkes ebenso gespannt sein wie auf die kulturellen Leckerbissen, die das neue Casino dann für den Besucher bereithalten wird.

Casino Knokke Knokke-Heist - Kunsthafen und Urlauberparadies Wer sich weder für Kunst, noch für Glücksspiel erwärmen kann, sondern als Urlauber Entspannung sucht, findet an der Westküste Flanderns zwischen der niederländischen und der französischen Grenze eigentlich alles, was das Herz begehrt: Breite Strände, einzigartige Dünenlandschaften, exklusive Jachthäfen, gleichermaßen beschauliche wie extravagante Badeorte. Belgiens Küste ist ein wahres Paradies für Sonnenhungrige, Wassersportler und Naturliebhaber.
Egal, für welchen Badeort man sich auch entscheiden mag, ein Besuch von Knokke-Heist gehört einfach dazu. An der Promenade flanieren, in den mehr als 1400 Boutiquen stöbern, in einem der 200 gemütlichen Restaurants schlemmen, das brausende Nachtleben genießen oder über das beneidenswerte Glück der ‚nouveaux riches’ staunen – hier findet jeder etwas nach seinem Geschmack.
In Herbst und Winter ist dieser Küstenstreifen auf einer Länge von 67 Kilometern eine Oase der Ruhe. Ideal, um sich während eines ausgedehnten Strandspaziergangs den frischen Seewind um die Nase wehen zu lassen. Die Küste Flanderns verwöhnt den Besucher zu jeder Jahreszeit. Dass dies überhaupt möglich ist, verdanken wir den Pionieren, die vor rund 90 Jahren diese städtebauliche Entwicklung in Gang gebracht haben.

     
          

        
 
              

       
 
 
 
 
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