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Dass der älteste Bikini der
Welt von einer von einer Statuette einer Göttin getragen wird,
die aus der Grabungsstätte des jungsteinzeitlichen
Çatal Hüyük in Anatolien stammt, und damit
gut siebentausend Jahre alt ist, scheint nicht gesichert. Eindeutiger
zu identifizieren sind hingegen die Zweiteiler, die beispielsweise auf
griechischen Vasen aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. oder
auf sizilianischen Wandmalereien aus dem vierten Jahrhundert n. Chr.
gefunden wurden. Welchem Zweck diese Bekleidung damals diente, und ob
sie bei Wettkämpfen oder zum Schwimmen getragen wurde, ist
unklar. Auch die Bezeichnung Bikini wurde erst viel später
eingeführt; bei den Griechen hieß das Oberteil
Mastodeton beziehungsweise Apodesmos, das Unterteil Perizoma.

Sommer
in Toronto Kanada 2006
© ZM
Photography - Fotolia.com
Über Jahrhunderte blieb der
Bikini dann
von der Bildfläche verschwunden. An Badekleidung
überhaupt
schien es wenig Bedarf zu geben, denn es wurde nackt geschwommen. Eine
weite Unterhose, die im Jahre 1860 in einem Londoner Bad als
Badekleidung auftauchte, kommentierte die Times mit den Worten:
„Das Tragen irgendeiner Bedeckung ist eine schmutzige Praxis
– dadurch werden Krankheiten verborgen und der freie Kontakt
des
Wassers mit der Haut wird verhindert.“ Schon wenige Jahre
später hatte sich das Bild völlig gewandelt: 1864
wurde in
Biarritz ein „Schwimmanzug“ für Damen
präsentiert, der die damaligen Vorstellungen von Moral und
Mode in
sich vereinte.
Frau ging fortan mit Hut, Stiefeln und
Kostüm
baden. Berichte über Frauen, die vor dem Ertrinken gerettet
werden
mussten, ließen nicht lange auf sich warten. Es liegt auf der
Hand, dass dies kein zukunftsfähiges Konzept war, insbesondere
in
Anbetracht des Trends hin zu mehr sportlicher Aktivität, der
sich
Ende des 19. Jahrhunderts abzeichnete.

Singapore 2008
© EastWest Imaging - Fotolia.com
Eine Verfechterin des Gedankens, das
Design
der Badekleidung weniger an Moralvorstellungen als an praktischen
Erfordernissen zu orientieren, war die australische Schwimmerin und
Stummfilmschauspielerin Annette Kellerman. Sie erklärte, es
gebe
zwei Arten von Schwimmanzügen: solche die zum Schwimmen
taugen,
und solche, die nur geeignet sind, um damit am Strand zu spielen.
Eine
Demonstration dessen, was sie als geeigneten Schwimmanzug erachtete,
hatte sie bereits im Jahr 1907 abgeliefert, als sie sich an einem
Bostoner Strand in einem eng anliegenden Badeanzug – einem
Modell
mit hohem Halsausschnitt und angeschnittenen Beinen, das, gemessen an
heutigen Verhältnissen, sehr züchtig war –
gezeigt
hatte. Sie löste damit viel Empörung aus und wurde
prompt
wegen grob unsittlichen Verhaltens verhaftet. Der neuartige Badeanzug
setzte sich in den darauf folgenden Jahren dennoch durch. Bei der
Olympiade 1912 in Stockholm, Schweden, waren erstmals Frauen zu
Schwimmwettkämpfen zugelassen; die Evolution der Badekleidung
begann.
In den 30er Jahren vollzog sich ein grundlegender Wandel des
Schönheitsideals. Nicht mehr die helle, blasse Haut war
gefragt,
sondern der sonnengebräunte Körper. Das Design der
Badeanzüge trug diesem Bedürfnis Rechnung: Der
Rückenausschnitt wanderte nach unten, die Beinausschnitte nach
oben und die Ärmel verschwanden. Um diese Zeit kamen in den
USA
die ersten Zweiteiler auf den Markt und wurden auch bald in Europa
populär. Das Oberteil glich bei diesen Modellen einem BH,
für
das Unterteil – kurze Shorts oder ein Höschen mit
Rock
darüber – wurde noch
verhältnismäßig viel
Stoff gebraucht. Der Beinansatz und der Bauchnabel blieben verdeckt.
Dieser Mode versuchte man in Deutschland durch den sogenannten
„Zwickelerlass“ zu unterbinden; es wurde verboten,
in der
Öffentlichkeit zweiteilige Badeanzüge zu tragen, und
die
Nationalsozialisten verordneten Einteiler mit Beinansatz. Unterdessen
sorgte eine 1943 kriegsbedingt beschlossene Rationierung für
die
Verkleinerung der Bademode in den USA: Der Materialverbrauch
für
Damenbadekleidung musste um 10% reduziert werden. In Zeitschriften
erschienen Fotos von Prominenten wie Rita Hayworth, Ava Gardner, Lana
Turner oder Esther Williams im Zweiteiler. Der Anblick
spärlich
bekleideter Frauen wurde, wenn nicht selbstverständlich, so
doch
zunehmend toleriert.

Die Geburtsstunde des modernen Bikinis
schlug in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Möglicherweise
waren
die Menschen in der allgemeinen Stimmung von Erleichterung und
Neuanfang besonders empfänglich für die Idee, der
Befreiung
sichtbar Ausdruck zu verleihen. Innerhalb kurzer Zeit stellten zwei
Designer gleichzeitig ihre Modelle in bisher nie gekannter Knappheit
vor.
Jacques Heim, der Inhaber eines Pariser Modehauses kündigte im
Mai
1946 seinen Entwurf als den „kleinsten Badeanzug der
Welt“
an und nannte ihn „Atom“, in Anspielung auf die
kleinste
Einheit der Materie. Heims Modell war noch immer reichlich genug
bemessen, um den Bauchnabel zu bedecken. Eine Sensation wurde der
„Atom“ – vermutlich zu Heims
Enttäuschung
– indessen nicht, denn nur wenige Wochen später
präsentierte Louis Réard seinen
„Bikini“.
Louis Réard, eigentlich Maschinenbauingenieur von Beruf,
führte die Dessous-Boutique seiner Mutter in Paris. Er hatte
beobachtet, dass Frauen am Strand die Höschen an Beinen und
Bund
aufrollten, um mehr Sonnenbräune einzufangen. Daraufhin
kürzte er nochmals radikal und erklärte das Ergebnis
als
„kleiner als der kleinste Badeanzug“. Zur
Namensgebung
inspirierte ihn das Ereignis, das am 30. Juni 1946 um die Welt ging,
der erste Atomwaffentest der Amerikaner im Bikini-Atoll. Die Kreation
war so gewagt, dass Réard kein Mannequin fand, das bereit
war,
in der Öffentlichkeit so viel Blöße zu
zeigen –
lediglich vier dreieckige Stoffstücke, von Kordeln
zusammengehalten, verhüllten das Nötigste. Er
engagierte
deshalb Micheline Bernardini, eine Stripteasetänzerin aus dem
Casino de Paris. Die Präsentation am 5. Juli 1946 im
Jugendstil-Schwimmbad Piscine Molitor in Paris, war ein Erfolg,
besonders beim männlichen Publikum. Mademoiselle Bernardini
erhielt 50.000 Briefe. Ein Verkaufserfolg wurde der Bikini
zunächst allerdings nicht. An vielen Stränden rund um
das
Mittelmeer wurde er sogar verboten, weil er als zu schamlos galt. Bis
zum endgültigen Durchbruch mussten noch etwa zwanzig Jahre
vergehen.
Es waren zunächst Filmstars wie Brigitte Bardot, Marilyn
Monroe,
Sophia Loren oder Anita Ekberg, die dem Bikini durch Auftritte in
Hollywoodfilmen zu breiter Akzeptanz verhalfen. Die berühmte
Szene, in der Ursula Andress im weißen Bikini mit
Gürtel und
Messer in dem Bond-Klassiker „007 jagt Dr. No“ aus
den
Wellen steigt, bleibt unvergessen. 1967 erschien zum ersten Mal eine
indische Schauspielerin, Shamila Tagore, in dem Film „An
Evening
in Paris“ im Bikini auf der Leinwand, und obwohl die
Öffentlichkeit schockiert war, entstanden bald darauf weitere
Bollywood-Produktionen, die Schauspielerinnen im Bikini zeigten.
Zahlreiche Kontroversen begleiteten den Siegeszug des Bikinis von
Anfang an. Heute bezieht sich die Kritik hauptsächlich auf
drei
Punkte. Man fürchtet zum einen ein drohendes Hautkrebsrisiko
durch
übertriebenes Sonnenbaden; weiterhin ist umstritten, inwiefern
der
Bikini den Frauen eine Idealfigur aufzwingt, und schließlich
gibt
es eine Art Kulturstreit, in dem von konservativen buddhistischen und
muslimischen Kreisen vorgebracht wird, der Bikini sei ein Instrument,
um die Frau zu degradieren.
Dem Erfolg des Bikinis scheint dies alles wenig Abbruch zu tun: Der
Umsatz in den USA belief sich Anfang der 2000er Jahre auf 811 Millionen
US-Dollar. Allerdings – so eine Umfrage – kommen
85% der
Bikinis nie mit Wasser in Berührung.

Rechts ein Bikini aufgenommen (2007)
in der Karibik
am Strand von Juan
Dolio
der Dominikanische Republik.
Bilddatenbank: pixelio.de
- © by Ralf Biegel
Bikinis werden meistens aus mehreren
verschiedenen Stoffen hergestellt. Polyamid, Elasthan und Polyester mit
unterschiedlicher Zusammensetzung. Die Prozentangaben der Stoffe
variieren von Hersteller zu Hersteller. Das Bikinioberteil ist
meistens im Rücken und Nacken zu binden und zu regulieren, es
ist aber auch möglich das es im Rücken geschlossen
und im Nacken gebunden werden kann. Die 3. Variante ist das der
Badeanzug im Rücken geschlossen wird
und vorne gebunden und reguliert werden kann. Neben diesen
"üblichen" Verfahren gibt es auch ganz neue Arten der
Haltetechnik.
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